auf Kreuzfahrt durch die Karibik – ein paar Gedanken noch

Meine Reise mit der MSC Seaside ist nun schon über drei Wochen vorbei und ihr konntet ein bisschen von dem lesen, was ich auf meiner ersten Kreuzfahrt erlebt habe. Seit ich wieder zurück in Deutschland bin, haben mich so viele gefragt, ob ich denn nun das Reisen mit einem Schiff empfehlen könnte, ob ich es wieder tun würde und ich muss sagen, dass diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten ist. Für mich persönlich gibt es Dinge, die dafür sprechen aber auch Dinge dagegen. Deswegen gibts heute den Versuch einer Antwort mit meinen Kreuzfahrt ‚Pros‘ und ‚Cons‘.

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meine Kreuzfahrt ‚Pros‘

  • Ein Hotel in immer anderer Umgebung! Es ist natürlich ziemlich lässig, über Nacht und ohne große Mühen von seinem Hotel an einen neuen Ort gebracht zu werden, den man sich – ganz entspannt – nach dem Frühstück anschauen kann. Vom Komfort-Faktor her ist das natürlich das Pro schlechthin!
  • Im Nachhinein betrachte ich diese Kreuzfahrt als eine Art Überblick schaffende Bustour. Klingt merkwürdig? Vielleicht ein bisschen, aber tatsächlich kann man sich so – wie auch bei einer Stadtrundfahrt – erst einmal einen Überblick verschaffen und einen Eindruck gewinnen, wie der Hase hier läuft und später gezielt an die Orte zurückkehren, die einem am besten gefallen haben (für mich dann aber nur selbstorganisiert).
  • Fluch und Segen zugleich: neben den eng getakteten Landgängen, kannst du in kurzer Zeit ziemlich viel sehen. Klar gehört das in die Pros!
  • Das Magazin für Ausflüge habe ich nicht im Traum dazu genutzt, etwa eine der teuren Touren zu buchen. Trotzdem gibts von mir dafür ein Pro, denn man kann es fabelhaft für andere Dinge nutzen: Erstens konnte ich damit antizyklisch meine Inseltrips planen (wer hat schon Bock im Pulk durch eine Stadt zu laufen oder etwa wie die Ölsardinen am Strand abzuhängen) und zweitens recht schnell die top Ziele herausfinden und mit weiteren persönlichen Zielen ergänzen.
  • Das Leben auf einem Kreuzfahrtschiff kann ziemlich entspannt sein, lässt man die Meute mal hinter sich. Ich hatte das Glück, eine der tollen Balkonkabinen bewohnen zu dürfen und dort ließ es sich an Seetagen – mit Blick auf nichts als nur das Wasser – richtig gut aushalten. ‚Sich Räume schaffen‘ heißt die Devise, dann besteht reelle Chance auf Urlaubsfeeling!
  • Möglichkeiten zur Entspannung fanden sich definitiv in vielfältiger Weise auf einem Kreuzfahrtschiff: vom Fitnessstudio über Yogastunden bis hin zum Massagesalon ist vieles möglich und für eine Woche war das Angebot gar nicht auszuschöpfen, über welches jeden Tag in einem umfangreichen Tagesprogramm informiert wurde.

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meine Kreuzfahrt ‚Cons‘

  • Wer mich kennt, der weiß, ich bin kein Mensch für Pauschalreisen und habe gern die Freiheit, selbst zu entscheiden, wohin ich reise und – noch viel wichtiger – wie lang ich bleibe. Ich bin weiterhin nicht der Freund von kurzen Fernreisen und dem damit verbundenen Gefühl von Zeitdruck (Backpacking geht für mich ab mindestens 2 Wochen los, damit ich mir Zeit lassen- und der Ort auf mich wirken kann). Denn eine Reise sollte neben den ganzen neuen Eindrücken vor allem für eines stehen: Entspannung. Entspannt Land und Leute kennenlernen. Aber das geht nur bedingt, wenn nur 6 Stunden Aufenthalt an einem Ort angedacht sind.
  • Durchgegetaktet war auch einiges andere auf dem Schiff, wie etwa die Essenszeiten (3 Möglichkeiten über den Abend, optional ohne Zeitvorgabe im Selbstbedienungsrestaurant, da aber leider nur Fastfood) und es macht natürlich auch Sinn zu strukturieren bei 5600 Menschen auf einem Fleck. Es nimmt jedoch wieder enorm viel Freiheit im Urlaub.
  • Apropos Menschenmasse: 5400 Leute mit einem gemeinsamen Ziel sind mir eindeutig zu viel und ich kann nicht recht nachvollziehen, warum man gerade dabei ist, noch größere Schiffe für noch mehr Passagiere zu bauen. Vom nervenden Umstand der Essenstaktung zieht es sich über den mangelnden Platz zu Stoßzeiten (etwa beim Frühstück oder ganztägig gern mal am Pool)  an Bord bis hin zu Ausflügen und Landgängen generell. Man kann davon ausgehen, dass alle Passagiere auch gern die Ziele sehen möchten, die das Schiff ansteuert, wo bleibt da die Ruhe? Und mehr noch: wer zuerst kommt malt zuerst hieß es, denn vom Schiff angebotene Ausflüge waren sehr schnell (trotz saftiger Preise) ausgebucht.
  • Aber klar! Dass der Platz auf einem Schiff begrenzt ist, sollte bekannt sein. Erstaunt war ich jedoch über das ‚Schiff-im-Schiff‘-Konzept. Gedacht dafür, dass möglichst viele sich eine solche Reise leisten können (aber auch geschaffen, um den Superreichen einen Anreiz zu bieten DOCH an Bord zu kommen), gibt es die unterschiedlichsten buchbaren Tarife. Der Gedanke, dass man es mehr Menschen ermöglichen möchte zu partizipieren, ist toll aber leider wird er für mich überschattet vom – ich fürchte viel tragenderem – Ziel, den gut betuchten Gast mit Vorzügen wie etwa separaten Bereichen an Bord zu locken. Ergebnis ist: der ‚Normalo‘ steht plötzlich vor einer Absperrung und muss umkehren – und DAS zu diesem Preis?
  • Eine Kreuzfahrt ist definitiv teurer Spaß! Außer für das Buffet musste alles extra bezahlt werden – zumindest in meinem Tarif – (bargeldlos, dank Chipkarte), will heißen: Getränke (sowohl alkoholisch als auch Softdrinks und Wasser), Gerichte, die nicht im Gänge-Plan angedacht waren (damit kann ich leben). Im Vorfeld und auch an Bord konnte man verschiedene Getränke-Abos kaufen.
    Auch für den Internetzugang gab es verschiedene Tarife aus denen man wählen konnte. Ausflüge sagte ich bereits und weiterhin: Massagen und andere Leistungen, die das Schiff im Angebot hatte.

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Kreuzfahrt ja oder nein – mein Fazit

Wie man sieht, sind beide Seiten – die Con’s wie die Pros – recht ausgeglichen. Das Reisen auf einem Kreuzfahrtschiff hat seine Vor- und Nachteile und doch würde ich mich nicht unbedingt wieder für diese Art des Reisens entscheiden. Nicht, weil es mir nicht gefallen hätte – ganz im Gegenteil, ich habe die Zeit mit meiner Familie sehr genossen und für den Anlass (der 50. Hochzeitstag der Schwiegereltern meiner Schwester übrigens) hat es mehr als nur gut gepasst. Wie bereits gesagt, habe ich durchaus Entspannung finden können auf der Reise – vor allem an den Seetagen – und ich war weiterhin sehr angetan vom Luxus, jeden Morgen an einem anderen tollen Ort der Karibik – ob auf offener See mit tollem Blick aufs Wasser oder an einem der drei Häfen (ohne, dass ich auch nur den kleinsten Teil dafür organisieren musste) – aufzuwachen. Und letztlich hängt es an jedem Einzelnen, was er aus einer solchen Reise macht.

Trotz allem schrecken mich am allermeisten diese ganzen Menschen auf einem Fleck ab.  Mir behagt es einfach nicht, dass sich auf einem Schiff über 5000 Menschen gleichzeitig befinden (Zahlen steigend in den nächsten Jahren), die alle noch mehr, mehr und mehr wollen – und das am liebsten sofort und in Hülle und Fülle. Natürlich kann man auf Landgang Ausflüge antizyklisch planen und sich von den Touristenmagneten fern halten, um dennoch einen recht ruhigen Tag zu verleben und trotzdem ist es letztlich nicht dasselbe wie einfach auf eigene Faust loszuziehen.

Ich brauche nicht so viel Luxus um mich herum, mir geht es vielmehr um die Menschen, die ich auf meinen Reisen treffe. Menschen, die mir viel mehr über einen Ort erzählen können, als ein Buch/ Reiseführer es je könnte. Trotzdem bin ich dankbar für diese wundervolle Woche in der Karibik und werde mich noch lange lange lange daran erinnern, soviel weiß ich! Und wer weiß, vielleicht ändere ich meine Meinung ja in 20 oder 30 Jahren und gehe dann doch noch auf große Seefahrt.

Bis dahin ist und bleibt mein bester Freund: mein kleiner roter Rucksack ❤️

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