was ich jetzt weiß Teil 1

Be alone. Eat alone, take yourself on dates, sleep alone.
In the midst of this you will learn about yourself.
You will grow, you will figure out what inspires you, you will curate your own dreams,
your own beliefs, your own stunning clarity,
and when you do meet the person who makes your cells dance,
you will be sure of it, because you are sure of yourself.

Bianca Sparacino

Tja, manchmal da liest man etwas und es schlägt ein wie eine Bombe. Ich hab dieses Zitat letztens durch Zufall in einer Story bei Instagram gelesen und es hat mich bis ins Mark erschüttert! Es jagte mir im positivsten Sinne der Bedeutung Schauer über den Rücken und ich wusste im Moment, da ich es las, dass es wahr ist! Aber mehr noch, ich wusste, dass ich mich bis zu diesem Punkt meines Lebens genau gegenteilig verhalten habe.

Ich bin jetzt 30 Jahre alt, werde bald 31 und – ich habe es bereits erwähnt – die vergangenen 11 Monate würde ich als die intensivsten meines Lebens bezeichnen. Nicht etwa, weil ich erheblich mehr erlebt hätte, als in den Jahren zuvor, sondern, weil ich so vieles über mich selbst lernen durfte! Weil ich Dinge plötzlich – ich frage mich selbst am aller häufigsten warum – anders wahrnehme. Ich lerne mich langsam selbst kennen und kann zu meinen Ecken und Kanten stehen, die ich – wie jeder andere Mensch – nun mal habe und die weniger etwas schlechtes als DIE Sache sind, die mich zu der Person machen, die ich über die Jahre geworden bin. Ich lerne, zu mir zu stehen und mich wohl zu fühlen in meiner Haut, mit meinem Körper und meiner Art die Welt zu betrachten. Darüber war ich froh und ich dachte, dass ich nun endlich ‚angekommen‘ sei – bei mir.

Man stelle sich bitte an dieser Stelle einen sich räuspernden alten Menschen vor, denn dem geneigten Leser wird hier vermutlich das zu schnell herbeigesehnte Happy End aufgefallen sein. Und er wird zurecht angezweifelt haben, dass – nur weil man 30 Jahre alt geworden ist und ein bisschen Interesse und Nachsicht sich selbst gegenüber erübrigt hat – alles plötzlich klar ist und man fortan im Reinen mit sich und dem ganzen Drumherum leben könnte. 

Ich bin ein Mensch, der schnell und leicht zu begeistern ist. Finde ich etwas gut, dann kann ich mich von Null auf Hundert darin verlieren und ein ums andere Mal schmücke ich mich dann zu schnell damit. Beispiele gefällig? Na zum Beispiel wäre da die Sache mit dem Brot, dem ich über die Jahre immer mal wieder abgeschworen hatte. Natürliche Reaktion meinerseits auf einen solchen Gedanken war, dass ich diese Idee ein paar Tage in die Tat umgesetzt habe, um dann große Reden darüber zu halten, am Ende allerdings alles wieder in sich zerfallen zu lassen. Oder die Idee vom Fernstudium, die wie aus dem Nichts kam, in die ich mich aber verliebte. Also habe ich mir Informationsmaterial zukommen lassen und im selben Moment Hinz und Kunz davon erzählt. Am Ende ist daraus nichts geworden. Rauchfrei 2018… wer wundert sich noch darüber, dass alle Artikel dazu verschwunden sind…? Und nicht zuletzt ist da auch noch die Sache mit diesem Blog hier, dessen Neustart ich immer und immer wieder angepriesen habe, um dann doch am Vorhaben zu scheitern.

Was diese Beispiele – ich könnte sie noch und nöcher fortführen – gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass ich einfach keinen Biss zu haben scheine. Das zumindest ist ein Gedanke, der im ersten Moment aufkommen könnte. Aber es bedeutet eigentlich noch etwas ganz anderes – für mich viel schlimmeres – nämlich den Umstand, dass ich zu schnell über die Ideen und Gedanken rede, die doch gerade erst begonnen haben, in mir zu wachsen! Kennt ihr die Redewendungen „don’t jinx it“? oder „don’t talk about it – do it“? Seid euch sicher, ICH JINXE und ICH TALKE! Und das NERVT mich! Warum bin ich so profillos? Welche tieferen Beweggründe hat dieses Verhalten? Und warum schreibe ich diesen Artikel?

Nun, eins nach dem anderen! Zuerst einmal habe ich mich entschieden, diese Gedanken öffentlich zu machen, weil ich der Überzeugung bin, dass ich ganz sicher nicht die einzige Person mit dieser merkwürdigen Eigenschaft bin. Wäre das so, gäbe es nicht all die Bilder mit Zitaten dieser Natur im Internet zu finden. Es MUSS einfach eine größere Menschenmenge geben, die diese Zitate anscheinend nutzt, um sich zu motivieren und an gute Vorhaben zu erinnern. Nicht wahr? Und vielleicht finden von dieser Personengruppe ein paar hierher und man kann Ideen und Gedanken dazu austauschen. Das würde diesen ganzen Prozess, den ich gerade durchlebe auf eine gewisse Art spannend machen, denn letztlich sind Selbstgespräche zwar nichts worüber man sich Sorgen machen müsste – nein sie können sogar sehr förderlich sein! Allerdings nur dann, wenn die innere Stimme nicht jedem Gedanken einfach nur zustimmt. Kritisch sollte sie schon sein, ansonsten wäre das eher Selbstbeweihräucherung als Wahrheitsfindung. Die Gedanken, die ich hier teile sind – so kann ich mit Fug und Recht behaupten – nicht Resultat eines harmonischen Selbstgespräches. Das ist schon mal gut; und doch heißt auch dies NICHT, dass nicht ein anderer Mensch, der diesen Text liest, noch eine ganz neue und frische Sicht auf alles haben könnte. Darauf hoffe ich.

Kommen wir also zum Kern… Welche Beweggründe stecken hinter meinen Handlungen? Warum schmücke ich mich mehr mit den Ideen als sie erst einmal in die Tat umzusetzen? Warum verspreche ich, anstatt zu halten? Warum sage ich, anstatt zu zeigen? Warum rede ich, anstatt zu handeln? 

Weil ich wie viele andere Menschen meines Alters riesengroße Angst vor dem Versagen habe und deswegen am liebsten den zweiten Schritt schon vor dem ersten tue, um bloß schnell schnell alle meine 4 Männchen im ‚Haus‘ zu haben und nicht die letzte im großen ‚Mensch ärgere dich nicht Spiel‘ des Lebens zu sein, die da ihre Runden dreht. Ich renne Idealen hinterher, die ich als Ziele sehe und die zu erlangen ich Hürden meistern muss. Es ist wie früher in dieser TV-Werbung: „…meine Frau, mein Haus, mein Hund, mein Auto, mein blablabla…“. Ich habe das aber noch nicht alles und ich glaube, dass mir das Reden über Ideen und Ziele vielleicht in der Vergangenheit immer kurzzeitig ein Gefühl gegeben hat, meinen Hintern zumindest scheinbar auf die nächst höhere Stufe in Richtung ‚Angekommen und Erfolgreich‘ gehoben zu haben. Denn nüchtern betrachtet spielt einem eine tolle Idee von etwas auch positives Feedback ein. Etwa die Idee vom Fernstudium mit womöglich besseren Karrierechancen führt zu einer Welle von „…ja mach das!“ oder „…das ist mutig…“s und gibt einem in diesem Augenblick ein Gefühl von Anerkennung und Wertigkeit! Aber…nur weil man darüber spricht, HAT man es noch lang nicht begonnen und längst nicht ERREICHT. Noch schlimmer… Ideen müssen reifen und in einem solchen Reifungsprozess kommt es ganz natürlich auch dazu, dass Dinge verworfen oder verändert werden, um am Ende wachsen zu können. Spricht man aber zu früh darüber, dann nimmt man in Kauf, dass alle Menschen, denen man von seiner Idee erzählte und die gerade noch euphorisch bestärkt haben, auch miterleben, wie aus all dem NICHTS wird. Heißt im Endeffekt, dass man sich in Gänze noch viel mehr unter Druck setzt! Denn schlimmer noch als nicht alles vorweisen zu können, was vermeintlich nötig ist, ist  es zu scheitern oder zu verlieren! Wie eine Radikaldiät etwa! Ihr versteht die Verbindung nicht? Na ganz einfach! Du nimmst ne Menge ab (viele YEAHs und TOLL GEMACHT’s), isst wieder wie gehabt und hast am Ende noch mehr drauf als zuvor und DAS ist dann der unangenehmste Teil, denn bezogen auf mich bedeutet das dann nämlich entweder:

a) die Leute haken nach und ich muss ihnen und mir wieder eingestehen, dass alles nur heiße Luft war
b) die Leute haken nicht mehr nach, weil es ihnen selbst unangenehm ist oder
c) die Leute haken nicht nach, weil ich ihnen Leid tue und sie Mitleid haben

…. SWEET BABY JESUS!!!! Ich finde KEINE dieser 3 Möglichkeiten besonders angenehm, habe sie aber ALLE schon erlebt! Und das heißt, dass dieses Verhalten mir im Grunde genommen, nur Frust und Wut gebracht hat und eine innere Traurigkeit, die ich versuche, durch immer Neues – quasi fortwährende Neuanfänge – zu kompensieren. UND DAS – macht überhaupt keinen Sinn! Es ist so ähnlich wie Grippostad C zu schlucken, wenn man ne Erkältung hat – bekämpft das Symptom, nicht aber die Ursache. Und deswegen muss ich einfach näher an die Ursachen ran! Und das ist so verdammt schwer! So schwer, dass es mich nachts wach hält und gerade dauerhaft krank macht, weil es sich scheinbar über die Jahre in jede Zelle meines Körpers gesetzt zu haben scheint.

…Fortsetzung folgt…

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