was ich jetzt weiß Teil 2

Puh! Dieser Text gestern Nacht hat mich eine Menge Energie gekostet. Knapp 1 Stunde habe ich alle Gedanken, die mir zum Thema in den Sinn kamen einfach herunter geschrieben und musste irgendwann um kurz nach 1 Uhr aufgeben, weil meine Augen nicht mehr wollten. Ich hoffte auf einen sehr tiefen Schlaf, da ich doch alle Gedanken aufgeschrieben hatte aber nix da! Die Nacht war kurz und heute Morgen musste ich mir den Text selbst noch einmal durchlesen. Aber auch heute sehe ich die Dinge glücklicherweise genau so!
Fassen wir noch einmal kurz zusammen. Ich stieß also auf ein Zitat von Bianca Sparacino, dass mich aus meinem ‚aktuellen‘ Zustand endlich wach rüttelte und dazu bewog, diesen Artikel hier zu schreiben. Ich hielt bereits fest, dass ich in der Vergangenheit lieber von Ideen und Träumen geredet habe, als sie in die Tat umzusetzen. Einzig aus dem Grund ein GEFÜHL und eine ILLUSION für andere und mich selbst zu erzeugen. Und ich habe mich gefragt, woher Profillosigkeit und fehlender Biss kommen, warum ich lieber den zweiten Schritt vor dem ersten machen möchte und so weiter und so fort. Das würde ich hiermit gern weiter vertiefen.

Ich sprach ja bereits davon, dass ich gern mal den zweiten Schritt vor dem ersten mache, um bloß nicht die letzte im Ziel zu sein, um andere stolz zu machen, oder gar zu beeindrucken und, dass ich mich vor dem Versagen fürchte. Mit Sicherheit hat diese Angst einen hohen Stellenwert aber da gibt es noch mehr! Es ist nämlich so – auch das erwähnte ich bereits am Rande – dass ich mich gern blenden lasse und für meinen Geschmack zu selten hinterfrage! Ich gehe mit einer Gutgläubigkeit und Menschenliebe durchs Leben, dass es mir nüchtern betrachtet selbst schon Angst macht. Von Skepsis und abwartender Haltung ist da weit und breit keine Spur – selbst nicht, obwohl diese Eigenschaften mich schon oft in wirklich unschöne Situationen brachten. Da wären ein versuchter Überfall in Windhoek, das Stranden irgendwo am Arsch der Heide in Alt Novalja (Kein Auto, kein Geld, kein Wasser – aber das muss ich nicht erwähnen, oder?), der Verlust wichtiger Dokumente ebenfalls in Novalja (mein Gott, was war das aber auch für ein komischer Trip), KO-Tropfen – erst in einem Getränk und später leider auch in meinem Magen in Kambodscha … und und und. Vielleicht ist diese Gutgläubigkeit auch einfach nur ein ganz tiefer Wunsch nach etwas! Ich stehe mir nämlich neben meiner Angst zu versagen mit der Idealvorstellung meines eigenen Lebens permanent selbst im Weg und mehr noch, ich fürchte ich KANN einfach nicht gut allein sein!
Irgendwann zwischen Kindheit und Studium hat sich in mir eine Idee davon verfestigt, wie mein Leben einmal aussehen soll, was MICH ausmachen soll. Und diese Idealvorstellung ist so eingebrannt, dass ich irgendwann scheinbar nur noch versucht habe, die freien Plätze zur Erfüllung dieses Ideals zu besetzen. Ein ums andere Mal! Das Ergebnis ist, dass ich von Anfang 20 bis vor ein paar Wochen immer in irgendeiner Beziehung gelebt habe, weil ich unterbewusst wohl dachte, dass ich keine CHANCE verpassen-, keinen Menschen vorbeiziehen lassen möchte, der womöglich DER Mensch sein könnte, der zu meiner Idealvorstellung eines guten Lebens passt, der mich ausfüllt und mir hilft, zu träumen, mich zu verwirklichen mit meinen teils recht verqueren Vorstellungen und der endlich das Ende einer Suche bedeutet. Die Abstände zwischen „DAS ist DER Mensch“ und „was habe ich mir nur DABEI gedacht“ oder „warum eigentlich SCHON WIEDER bei mir?“ wurden über die Jahre immer kürzer und dennoch… immer wieder neu – ich sprach ja bereits von fortwährenden Neuanfängen. Und neben den Abständen, die immer kürzer zu werden schienen, wurden die Entscheidungen , die ich traf immer weitreichender und vor allem undurchsichtiger.
Jetzt folgt natürlich die große Frage: was ist letztlich das Ergebnis? Was meint ihr?Hmmm. Es ist Herbst, also stellt euch doch einfach mal einen großen Eimer vor, in den über die Wochen jetzt Blätter fallen und es regnet auch noch ein bisschen und so sammelt sich also Wasser darin. Der Herbst herbstet so vor sich hin und es regnet auch noch einmal und noch einmal und wieder und wieder. Irgendwann ist dieser Eimer jedenfalls voll und jedes weitere Blatt und jeder weitere Regentropfen wird den Eimer nur dazu bringen, irgendwann überzulaufen. Und da wäre noch eine Sache! Irgendwann fängt der Inhalt tierisch an zu stinken!!! Von Jauche spricht man dann! Ganz übel! Um den umzukippen bedarf es starker Nerven!
Hand aufs Herz! Ich fühle mich genau wie unser Eimer! Ich bin voll! Und ich muss dringend leer werden, bevor ich mich jemals wieder füllen möchte und vor allem füllen KANN! Und genau an dieser Stelle greift das Zitat von Bianca Sparacino:

Be alone. Eat alone, take yourself on dates, sleep alone.
In the midst of this you will learn about yourself.
You will grow, you will figure out what inspires you, you will curate your own dreams,
your own beliefs, your own stunning clarity,
and when you do meet the person who makes your cells dance,
you will be sure of it, because you are sure of yourself.

Spannend ist, dass mein Unterbewusstsein scheinbar schon ein bisschen länger in diese Richtung arbeitet. Denn seit Wochen schon habe ich einen Drang auszusortieren und abzuschließen. Ich gehe diesem Drang auch nach, habe ihn aber erst hinterfragt, nachdem ich das Zitat gelesen hatte.
In meiner Wohnung wandert ein immer größer werdender Berg an Dingen, die sich über die Jahre angestaut haben von einem Zimmer ins nächste. Eine ganze Reihe an Gegenständen habe ich bereits verkauft oder – noch besser – verschenkt. Ich habe das Gefühl, mit jedem Stück, welches mich verlässt, werde ich aktuell ein bisschen leichter. Auch wenn die Entscheidung, sich von etwas zu trennen manchmal keine schöne Sache ist. Ich rede hier nicht über CDs oder Bücher, die ich mir selbst gekauft habe, sondern über Dinge, die ich mit bestimmten Menschen und Momenten verbinde. Gegenstände in meiner direkten Umgebung – seien sie auch noch so klein – sind irgendwie auch Dinge, die mich innerlich bewegen. Und mit jedem Teil aus der Vergangenheit, gebe ich auch ein Stück belegten Platz in mir wieder frei. Macht das Sinn? Versteht ihr, wie ich das meine?
Aber mehr noch! Letztens bin ich nachts allein mit dem Fahrrad in Münster unterwegs gewesen und habe mich in den Biergarten eines Clubs am Hafen gesetzt und einen Whiskey Cola getrunken – und geraucht! Ja na gut! Ich will ehrlich sein. Das alles wäre eine super tolle Sache  gewesen und man hätte von einem Date mit mir selbst sprechen können bis … ich mein Handy zückte und 2 Nachrichten an Menschen aus meiner Vergangenheit – und ja damit auch irgendwie Gegenwart – verfasste. Diese Nachrichten entbehrten jeglicher Logik und ich deute das wiederum als einen Versuch, den Umstand dort in diesem Biergarten allein zu sitzen, mit einem möglichen Kontaktaufbau zu kompensieren. Armselig! Dass ich beide Telefonnummern nicht länger in meinem Handy gespeichert habe, muss ich nicht betonen… Aber es zeigt mir nur noch einmal mehr, dass dringend etwas ändern muss!

Fortsetzung folgt

 

 

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